Mit besonders offenen Augen laufe ich nun durch die Straßen Berlins nach Hause. Ich komme gerade aus der Ausstellung Backjumps Volume 4 im Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien - zum Thema Urban Art.
In der nun vierten Ausgabe des Backjumps Ausstellungsprojekts dreht sich alles um das Thema „Ausgangspunkt Stadt“. Sieben in Berlin lebende Künstler zeigen hier, dass, wie es in der Pressemitteilung heißt, „sie jeweils Strategien der Selbstbehauptung und des Freiheitswillens für sich in Anspruch nehmen und ergreifen.“ Sich die Freiheit in ihrer Stadt nicht nehmen lassen, ohne Einschränkungen.
Das bedeutet z.B. bei der tollen Arbeit „Zwischenzeit“ von Matthias Wermke und Mischa Leinkauf, mit einer selbstgebauten Draisine, zwischen Nacht und Tag, durch das Berliner U-Bahn und S-Bahnnetz zu fahren. In diesem ruhigen, für die sonst so belebte Stadt fast ausgestorbenen Zeitraum scheint es, als wäre der Protagonist auf seinem Fahrzeug der Herr der Stadt, der sich frei aller sonst im verbotenen liegenden Wege bedienen kann. Präsentiert in einer 3-Kanal-Videoinstallation entsteht so eine „Poesie des Untergrunds“, „die vor allem durch eine unbändige Radikalität und einen unbegrenzten Freiheitsdrang sichtbar wird“. Nebenbei frage ich mich, wie lange die Künstler wohl die Fahrpläne der BVG ausgeklügelt haben, um in aller Ruhe durch U-Bahn Schächte und über S-Bahn Brücken zu fahren...großartig!

Von Brad Downey sind gleich drei Arbeiten zu sehen, wobei die für mich interessanteste Aktion bereits im Jahre 2008 stattgefunden hat und nun in Form eines Films, in eine Installation integriert, zu sehen ist. „Don´t worry about that shit, René. Dedicated to Eulenspiegel.“ entstand, als elf ausgewählte Künstler im Auftrag von Lacoste im KaDeWe jeweils ein Schaufenster gestalten sollten. Bei Downey jedoch hätte man sich denken können, dass dies nicht so leicht vonstatten geht. "If youre going to employ a vandal, youre going to get a vandal“, wie sein Künstlerfreund Dave the Chimp sagt.
Denn Downey „gestaltete“ nicht das Schaufenster von innen, sondern nahm sich der Fassade des KaDeWe an - in Lacoste-Grün und mithilfe eines Feuerlöschers. Verweigert er sich nun in radikalster Weise als Künstler von der Marke Lacoste „gekauft“ zu werden, oder ging der Schuss nach hinten los und lieferte er dem KaDeWe und Lacoste eine ungewollte, aber trotzdem zahlreiche Publicity? „Guerilla-Marketing oder Protest?“ fragte sich damals auch die Taz.

Also: Am Besten selbst anschauen und drüber nachdenken! Weitere Arbeiten gibt´s außerdem von: Pigenius Cave, RZM (RitscheZastMarien) noch bis zum 27. November zu sehen.
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